Ein Plädoyer für das unspektakuläre Gute aus dem Gundeli

Wir stehen mitten in der Adventszeit, ohne dass viel Beschaulichkeit auszumachen wäre. Stattdessen hetzen wir Geschenken hinterher, um unseren Liebsten unsere Zuneigung zu zeigen und die über das Jahr vorenthaltene Aufmerksamkeit zu kompensieren. Dafür ringen wir dem Alltag das letzte Quäntchen Spielraum ab. Paradoxerweise oft auf Kosten der Beschenkten. Während wir also gerne mehr Zeit hätten, können es die Kinder ihrerseits kaum erwarten, dass endlich Weihnachten wird. Um ihnen diesen Zeitverlauf zu veranschaulichen und ihn für sie fassbar zu machen, wird die Weihnachtszeit in kleine Einheiten strukturiert: Vier Adventskerzen, 24 kleine Fensterchen. Die Kinder brauchen das, denn ihnen fehlt noch das abstrakte Zeitgefühl. Auch unsere Arbeit im Gundeli gilt es, zum Jahresende zu veranschaulichen. Auch dafür sehen wir uns gezwungen, auf Zahlen zurückzugreifen: Zwei Projekte, 15 Events, 207 Präsenztage mit 3000 Öffnungsstunden, an die 10.000 Besuche…

Von SilvInes, PurplePark

Der Zeitgeist verlangt Rekorde
Dabei darf es natürlich – ganz wie bei den Weihnachtsgeschenken – gerne ein bisschen mehr sein. Rekord über Rekord wird geschrieben, denn was wir gestern mal hatten, ist heute nichts mehr wert. Alles hat zu wachsen; „höher, schneller, weiter“ ist nicht nur der aktuelle Zeitgeist, es scheint sich auch in der Bewertung unserer Arbeit als Qualitätsmarker einzunisten.

Von feinen Schattierungen
Was dabei verloren zu gehen droht, ist der Blick auf das Alltägliche; das unspektakuläre Gute. Wir wollen dem Aussergewöhnlichen hier keineswegs den Wert absprechen. Wie Geschenke etwas Schönes sind, so sind auch besondere Erfahrungen bereichernd, inspirierend und der Entwicklung förderlich. Doch der eigentliche Wert unserer Arbeit lässt sich weder in Zahlen einfangen, noch liegt er im punktuell Spektakulären. Viel mehr ist er für Aussenstehende schwer zu erkennen und kaum zu messen, da er in feinen Schattierungen zwischenmenschlicher Prozesse liegt.

Freude und Frust teilen
Eines unserer Kernanliegen ist es, Jugendlichen eine „Heimat“ zu bieten. Einen Ort, wo sie sich selber sein können und als dies erkannt werden, wo sie nichts Besonderes tun müssen um dazuzugehören, wo sie sich aufgehoben und sicher fühlen. Die Möglichkeit, Freude und Frust zu teilen, zu geben und zu nehmen, ernst genommen zu werden ohne seriös sein zu müssen, inspiriert zu werden und mit zu gestalten.

Einen Nährboden bieten
Genau dies findet im Alltag statt und umfasst für uns zweierlei Aufgaben: Einerseits haben wir einen Nährboden zu bieten, der all das zulässt, und den wir pflegen, unterhalten und laufend den Bedürfnissen anpassen. Auf der anderen Seite steht die direkte Beziehungsarbeit, die sich in verschiedensten Settings manifestiert: ein Gespräch zwischen Tür und Angel, gemeinsames Kochen und Essen, Interventionen seitens des Teams, sich immer wieder im Ping Pong oder Töggele messen, zusammen Youtube-Videos schauen oder manchmal auch schlicht im gleichen Raum sein, jede/r für sich.

…auch ohne spektakuläre Zahlen
In der Reporting-Terminologie nennt sich das „Begleitung von Jugendlichen“. Messen lässt es sich in der Qualität des Effekts jedoch nicht, bestenfalls erahnen – vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein, schaut genau hin, liest zwischen den Zeilen, und kommt für einmal ohne spektakuläre Zahlen aus.

 

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