Jugendliche und Polizei: Begegnungen sorgen für Tiefenschärfe
Die Jugendtreff-Teams der Basler Freizeitaktion vernetzen sich in ihren sozialen Umfeldern auf vorbildliche Weise mit vielen Organisationen und Institutionen: Dazu gehören auch gute Kontakte zur Polizei. Schon öfter haben Teammitglieder des Sommercasinos und verschiedener Jugendtreffs etwa im Rahmen der Polizei-Ausbildung mitgewirkt. Im Kopf der Dreirosenbrücke organisieren Treffleiterin Waltraud Waibel und Wachtmeister Stephan Wagner vom Community Policing der Kleinbasler Polizeiwache Clara regelmässig Begegnungen zwischen den Jugendlichen, die im Treff verkehren, und jungen Polizistinnen und Polizisten. Wenn diese beiden Welten zusammentreffen werden auf beiden Seiten Klischees abgebaut, Tiefenschärfe tritt an die Stelle von Vorurteilen – und anfängliche Befangenheit weicht schnell dem lockeren Austausch. Eine Aktion, von der eben beide Seiten profitieren. Sie wird natürlich weiter geführt.
Von Christian Platz, Vorstandsmitglied der BFA
Offener und ehrlicher Austausch
Waltraud Waibel, Leiterin des BFA-Jugendtreffs Dreirosen arbeitet schon seit über zwei Jahrzehnten „sehr gut mit der Polizei zusammen“. Seit einiger Zeit organisiert sie, mit Wachtmeister Stephan Wagner zusammen, im Brückenkopf Begegnungen zwischen vereidigten Jungpolizistinnen, Jungpolizisten und Jugendlichen, die den Treff regelmässig besuchen. Waibel: „An diesen Abenden gehen wir nicht von Barrieren aus, sondern von der zwischenmenschlichen Begegnung. Wir setzen auf einen offenen und ehrlichen Austausch. Das hat bis jetzt auch immer prima geklappt. Nachdem eine gewisse Anfangsscheu überwunden war, hatten wir immer eine sehr gute Stimmung. Ich glaube, dass beide Seiten im Rahmen dieser Begegnungen voneinander lernen können. Die Abende klangen auf einer sehr positiven Note aus, mit gemeinsamem Töggele, Ping-Pong- und Billardspielen.“
„Das Eis ist jeweils schnell gebrochen…“
Stephan Wagner: „Das Eis ist jeweils schnell gebrochen. Die Jugendlichen erzählen uns alles mögliche. Unsere Jungpolizisten erfahren dabei viel über deren Lebensrealitäten. Beide Seiten sehen sich, nach solchen Begegnungen, mit anderen Augen, wenn sie einander auf der Strasse begegnen. Auch können wir bei den Jugendlichen Verständnis bezüglich unserer Polizeiarbeit wecken. Respekt und Sympathie treten an die Stelle von Vorurteilen und Mutmassungen, das ist schon eine sehr gute Plattform.“ Beim letzen Anlass waren es immerhin 22 junge Polizistinnen und Polizisten, die auf über 40 junge Menschen aus dem Kleinbasel trafen – dabei stellte sich unter anderem heraus, dass auf beiden Seiten multikulturelle Alltagsrealitäten ein wichtiges Thema sind: So treten nach und nach Gemeinsamkeiten zutage, die am Ende alle trennenden Elemente überwiegen.
Rollenwechsel
Es gibt natürlich Fragen, die den Leuten von der Polizei immer wieder gestellt werden; Wagner: „Fragen rund um Drogen gehören dabei natürlich zu den Dauerbrennern.“ Gerade rund um das Thema Cannabis wird gern und viel gefragt. Dabei stellt die Polizeiseite klar, dass sie das Kiffen, ganz speziell bei Jugendlichen, nicht tolerieren kann und darf. Waibel: „Aus solchen thematischen Ansätzen ergeben sich jedes Mal produktive Gespräche, die auch in die Tiefe gehen.“ Ganz verschiedene thematische Rahmen wurden für diese Treffen schon erarbeitet. Einmal wurde etwa ein Rollenwechsel inszeniert: Die jungen Polizeikräfte sassen dabei auf einem Bänkchen – und spielten herumlungernde Kids. Die Treff-Jugendlichen übernahmen den Part der Polizisten und führten eine Personenkontrolle durch. Waibel: „Das war lustig. Die Polizisten, die die Kids spielten, haben bei einem der Durchläufe gar nicht erst auf die Kontrolle gewartet, sondern sind – kaum haben sie die nahenden `Ordnungskräfte`gesehen – gleich aufgestanden und davongerannt.“ Wagner: „Bei einem anderen Durchlauf haben die Jugendlichen einem der Kontrollierten sogar Handschellen angelegt. Wobei sie nicht gerade sanft vorgegangen sind. Wir haben ihnen dann erklärt, dass wir uns so etwas im Berufsalltag nicht erlauben können.“
Tiger-Liegestützen
Das Ganze hatte natürlich einen ernsten Hintergrund: Die Polizisten erklärten den jungen Leuten, warum sie bei einer Polizeikontrolle zum Beispiel die Hände aus den Hosentaschen nehmen müssen. Damit soll ausgeschlossen werden, dass plötzlich eine Waffe gezogen wird… Wagner: „Schliesslich wollen unsere Leute am Feierabend gesund zur Familie nach Hause gehen.“ Den Kids wird aber auch gesagt, dass sich Polizeikräfte bei Kontrollen anständig verhalten müssen, andernfalls hat der Bürger schliesslich durchaus ein Beschwerderecht. Beim letzten Treffen, es fand im November dieses Jahres statt, wurde ein Quiz veranstaltet, mit verschiedenen Fragen aus dem Allgemeinwissen: Gemischte Gruppen arbeiteten dabei zusammen. Auch hier war die Stimmung wieder super. Die jungen Männer waren beeindruckt, als ihnen eine junge Polizistin 90 Sekunden lang schwierige Tiger-Liegestützen vormachte, ohne ausser Atem zu kommen; Waibel: „Da hatten sie ganz schön Respekt!“ Nächstes Jahr geht die Reihe dieser informellen aber gehaltvollen Begegnungen im Zeichen der Transparenz, der Toleranz und des gegenseitigen Respekts natürlich weiter.
