Homosexuelle Arbeitsgruppe im BFA-Jugendzentrum Neubad

Von Guido Morselli, Leitung BFA Basel West

Junge Erwachsene in ihrer Selbständigkeit zu fördern - und sie gleichzeitig zu fordern -, nämlich mit einem Höchstmass an Partizipation und Selbstorganisation, war das inhaltliche Ziel bei der Konzeption und Realisierung des BFA Jugendzentrums Neubad: Acht Jahre nach Inbetriebnahme unseres Hauses können wir im Bereich der autonomen Nutzungen feststellen, dass diese Vorgabe erreicht wurde, dass unser vielfältiges Angebot nun in seiner Blüte steht. Gegenwärtig nutzen rund 120 Jugendliche, aufgeteilt in drei Tanzformationen, eine Tanzschule für Kids, und neun Bands unsere Räumlichkeiten an der Brennerstrasse. Und dies ohne den Mittagstisch Basel-West, den offenen Treff, die mobile Arbeit und die Fremdvermietungen auch nur im mindesten zu tangieren, die bei uns ja ebenfalls mit an Bord sind. Mit einem vergleichsweise kleinen Aufwand werden die verschiedenen Nutzungen von den JugendarbeiterInnen koordiniert, die Bands organisieren sich weitgehend selbständig. Anfang 2011 ist nun eine weitere Nutzungsgruppe dazu gestossen, die ihr Angebot autonom durchführt: „anyway“, eine Jugendgruppe für junge Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgenders. Wer sie sind und was sie wollen, können Sie dem folgenden Beitrag entnehmen.



Die Jugendgruppe anyway, Basel: Für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgenders
Von Steven Eitner, anyway Basel

Wir sind engagierte, motivierte junge Erwachsene unterschiedlichen Alters, die selbst bereits Erfahrungen mit unseren „Coming Outs“ bezüglich der eigenen sexuellen Orientierung hinter uns haben. Als Untergruppe der Homosexuellen Arbeitsgruppen, Basel (HABS) haben wir in Basel vor einiger Zeit die Jugendgruppe anyway ins Leben gerufen.

Gesellschaftlicher Rahmen
Im gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte hat sich der Umgang mit dem Thema Sexualität stark verändert. So sind Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht und sexuellen Neigungen inzwischen verboten. Seit einigen Jahren sind auch registrierte, gleichgeschlechtliche Partnerschaften möglich, die den heterosexuellen Ehen mehrheitlich gleichgestellt sind. Die Medien und die Öffentlichkeit befassen sich vermehrt offen mit Themen rund um die sexuelle Identität von Menschen - und mit verschiedenen sexuellen Neigungen. Dennoch tauchen in den Köpfen vieler Menschen Fragen nach der eigenen sexuellen Orientierung auf. Auf der Suche nach Antworten wünscht man sich vielleicht einen oder mehrere Gesprächspartner und gleichgesinnte Menschen. Irgendwann kann dabei auch die Frage nach einem möglichen „Coming Out“ im Raum stehen.

Die Grenzen des Internet
Für viele junge Menschen stellt heutzutage das Internet die erste Anlaufstelle für solche Fragen dar. Jedoch erweist sich dieses digitale Forum oft als zu unpersönlich und abstrakt: Mit der Zeit kommt dann der Punkt, an dem die Person sich in einem persönlichen Gespräch - oder innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter - unterhalten möchte.
An dieser Stelle soll auch auf teilweise individuelle, schwierige Situationen verwiesen werden. Die Frage „Warum bin ich anders?“ kann irritierend wirken. Insbesondere kulturelle und gesellschaftliche Nichtakzeptanz kann vielen Menschen immer noch eine Auseinandersetzung mit sich und der eigenen sexuellen Identität erschweren. Auch in solchen Fällen möchten wir Unterstützung bieten.

Unsere Ziele…
In vielen Schweizer Städten existieren Jugendgruppen für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgenders (LGBT) und junge Menschen, die sich in ihrer sexuellen Identität noch nicht sicher sind. Wir haben nun auch in der Region Basel eine Anlaufstelle ins Leben gerufen, die jungen Menschen die Möglichkeit bietet, über sexuelle Selbstfindung und Erfahrungen beim Coming Out zu diskutieren. Es wurde eine Basis geschaffen, die den Teilnehmenden im Coming-Out Prozess Rückhalt gibt. Des weiteren wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Teilnehmenden gefördert.

… und wie wir sie erreichen wollen
Unsere Basis bilden die Räumlichkeiten des BFA Jugendzentrums Neubad. Jeden zweiten Donnerstagabend im Monat bieten wird den Jugendlichen dort ein Programm. Dazu gehören Diskussionsrunden, Gesellschaftsspiele, Kochabende und Besuche von externen Organisationen wie z.B. der Aidshilfe Basel. Zudem sind Aktivitäten ausserhalb dieser regelmässigen Treffs möglich, beispielsweise gemeinsame Kinobesuche, Grillieren oder Besuche kultureller und gesellschaftlicher Anlässe.

Unsere ersten Monate
Alle waren wir überrascht: Eigentlich hätten wir gedacht, dass die ersten Gruppenabende ruhig verlaufen, dass wohl etwas Anlaufzeit vergehen würde, bis sich unser Angebot herumgesprochen hat. Am ersten Abend hatten wir bereits 15 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Diese Zahl lag über unseren Erwartungen und blieb während unserer ersten Monate konstant. Das mächtige Echo hat uns bestätigt, dass es sehr wichtig war, in Basel wieder ein solches Angebot zu schaffen. Auch nutzen viele Jugendliche aus den ländlichen Teilen der Region Nordwestschweiz unser Angebot gerne. Aus unserem sehr positiven Start nehmen wir viel Motivation für die weitere Zukunft unseres Projektes mit. Das Leitungsteam von anyway bedankt sich bei der BFA und dem Jugendhaus Neubad für das offene Entgegenkommen und die freundliche Unterstützung unseres Jugendprojektes.

www.anyway-basel.ch
Mail: info@anyway.ch


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