Neue Entwicklungen, neue Energien – und weitaus weniger Reibungsverlust als früher

George Hennig und Albrecht Schönbucher führen die Geschäfte der Basler Freizeitaktion nun seit anderthalb Jahren - als Zweiergespann. Nach einem Organisationsentwicklungs-Prozess, welcher der BFA erhebliche inhaltliche und kulturelle Veränderungen ins Haus brachte, hatte der Vorstand die beiden Männer mit ihren neuen Aufgaben betraut. Beide waren vorher schon seit vielen Jahren für unsere Organisation tätig, auf ganz verschiedenen Gebieten. Sie haben sich zusammengerauft und gemeinsam einen Führungsstil entwickelt, der zu ihren unterschiedlichen Sensibilitäten, Arbeitsmethoden, Persönlichkeiten passt. Zeit für eine Tour d’horizon durch die vielfältigen Erfahrungen, die sie seither gemacht haben, die wichtigsten Themenfelder, die sie beschäftigen. Zeit auch für einen Ausblick auf das kommende Jahr, das bei der BFA – unter anderem – im Zeichen mehrerer Jubiläen steht.

Von Christian Platz, Vorstandsmitglied BFA


Gemeinsam decken sie ein weites Feld ab

Jahrelang waren sie in verschiedenen Bereichen der BFA tätig: George Hennig als Leiter des Kulturhauses Sommercasino, immer vor Ort, immer direkt am Puls seines Teams und der Jugendkulturen, Albrecht Schönbucher als Leiter der BFA-Jugendtreffs, also mehreren, dezentralen Angeboten, die er umsichtig strukturiert und ausgleichend gesteuert hat. Ausgerüstet mit einer neuen Strategie und einem Menschenbild, das die gesamte BFA im Rahmen eines Organisationsentwicklungsprozesses erarbeitet hatte, als Landkarte, traten sie also ihre Geschäftsleitungstätigkeit an. George Hennig: „Da wir uns bereits seit Jahren kannten, wussten wir um unsere verschiedenen Persönlichkeiten und Vorgehensweisen. Die Frage war also – wie formieren wir uns? Deshalb haben wir dieses Jahr auch ein Coaching absolviert, bei dem wir feststellen durften, dass wir uns sehr gut zusammengerauft haben.“ Albrecht Schönbucher: „Gerade unsere unterschiedliche Wesensart bringt immer wieder Vorteile, denn gemeinsam können wir fachlich und inhaltlich ein sehr weites Feld abdecken.“

Phase des Experimentierens
Das ist auch notwendig. Denn seit dem OE-Prozess ist bei der BFA sehr viel gelaufen. Zumal das Jahr 2011 für die ganze Organisation eine eigentliche Phase des Experimentierens mit neuen Strategien, Strukturen, Ansätzen darstelle. Das Besondere daran war, dass sich die BFA nicht unter äusseren Zwängen neu erfinden musste, sondern, dass es von Innen heraus geschehen ist. Hennig: „Das neue Modell bedingt und erzwingt viele Basisentscheide, verlangt von den Mitarbeitenden sehr viel Eigeninitiative. Trotzdem gibt es natürlich auch Menschen und Themen, die in bestimmten Momenten nach Führung verlangen, was durchaus gewürdigt werden muss. Autonomie und Freiräume können nicht einfach so verordnet werden. Wir mussten – und müssen - die richtige Balance zwischen Führungsverantwortung und Autonomie finden. Dabei sind wir auf gutem Weg. Die Umgangskultur bei der BFA zwischen allen Beteiligten, zwischen Vorstand, Geschäftsleitung und Mitarbeitenden hat sich jedenfalls zum Positiven verändert.“ Schönbucher: „Die alten Strukturen waren viel enger gebaut. Heute können wir stärker auf die Eigendynamik der einzelnen Bereiche setzen. Das macht den Weg für Innovation frei.“

Das Arrangieren von Eigendynamik
In der Tat. So hat der Mädchentreff Mädona nun, nach jahrelangem Ringen um mehr Raum, eine neue Bleibe am Claraplatz bezogen. Dies wurde teilweise durch Fundraising ermöglicht. Verschiedene Treffs der BFA haben für sich ganz neue Erscheinungsbilder erfunden, die sich näher an ihrer jungen Kundschaft, an ihren Angeboten und Inhalten befinden. Schönbucher: „Die Führung als Kollektiv verringert in solchen Dingen ganz eindeutig den Reibungsverlust…“ Hennig: „Aber man muss die Mitarbeitenden auch immer wieder dazu animieren, die Eigenverantwortung, über die sie jetzt verfügen, auch einzusetzen.“ Die beiden Geschäftsführer orientieren sich an den Impulsen der Basis und an der neuen BFA-Strategie: Dabei geht es darum, die Balance zu bewahren, wichtige Themen immer wieder Katalysator-artig aufzubereiten und einen guten internen Informationsfluss zu gewährleisten. Bei der BFA werden momentan in Sachen Führung ganz neue Methoden entwickelt, die auf Arbeitsgruppen, offene Diskussionen und Auseinandersetzungen sowie auf dem Arrangieren von Eigendynamik basieren – anstatt auf autoritären Formen.

Neues Bewusstsein für Finanzen
Seither hat sich die Organisation entwickelt, das neue Mädona, die Übernahme aller Angebote im Brückenkopf Dreirosen durch die BFA, die Vergrösserung des Pärkli Jam zu einem veritablen Volksfest für das St. Johann-Quartier und viele andere Entwicklungen, klein und gross, zeugen davon. Schönbucher: „Und das liegt vor allem daran, dass die BFA in ihren Mitarbeitenden eine sehr gute, überaus engagierte Basis hat, auf die wir bauen können.“ Da ist auch an den Finanzen abzulesen, die eigentlich immer eher knapp bemessen sind. Schönbucher: „Doch im Moment steht die BFA finanziell endlich auf sehr gesunden Füssen, das hat auch mit der Transparenz zu tun, die wir intern diesbezüglich eingeführt haben…“ Hennig: „Diese Transparenz hat betriebsintern ein neues Bewusstsein für Finanzen und Bedingtheiten, die damit zusammenhängen, erzeugt. Die gegenseitige Identifikation der einzelnen BFA-Bereiche untereinander ist in dieser Hinsicht viel stärker geworden.“ Trotzdem fehlen der Organisation immer wieder Mittel, an allen Ecken und Enden. Einsparungen werden durch die beiden Geschäftsführer aber auf faire und konstruktive Weise gemacht. Und sie sparen auch bei den (eigenen) Overhead-Kosten: So wurden in der Zentrale einvernehmlich 20 Stellenprozente gekürzt, über 30'000 Franken konnten in Sachen Telefone und Versicherungen eingespart werden – zudem haben sich Hennig und Schönbucher im Genre Fundraising weiter gebildet. Auch die Subventionsverhandlungen mit dem Kanton Basel-Stadt wurden in produktiver, respektvoller, aber hartnäckiger Art geführt.

Herausforderung 2012
Das nächste Jahr wird der BFA und ihren beiden Geschäftsführern viele Herausforderungen bescheren. Die Jugendberatung der BFA braucht dringend mehr Personal, eine Betriebsanalyse des Sommercasinos steht an, PR und Öffentlichkeitsarbeit müssen neu aufgestellt werden – und die BFA feiert 2012 diverse Jubiläen: Die Organisation wird siebzig Jahre alt, das Sommercasino feiert seinen fünfzigsten Geburtstag, der Jugendtreff Eglisee seinen dreissigsten, das Jugi Bachgraben seinen fünfundzwanzigsten… Und diese Jubiläen sollen mit der grösstmöglichen Wirkung – nach innen und aussen - begangen werden. All diese Herausforderungen werden Hennig und Schönbucher gemeinsam mit den Mitarbeitenden der BFA anpacken, nach dem Grundsatz „Führung auf Augenhöhe“ – und gemäss der Überzeugung, dass die Innovationskraft der BFA-Basis zu den stärksten Trümpfen unserer Organisation gehört.

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