Jugendarbeit – eine Bereicherung für die Bildungslandschaft!

Die Basler Bildungslandschaft steht in einem Prozess grundlegender Veränderungen. Das „System Schule“ scheint im Begriff zu sein, das Leben von Kindern und Jugendlichen noch zentraler als bislang zu dominieren. Braucht es da überhaupt noch Freizeiteinrichtungen, wie die BFA sie führt?


Von Albrecht Schönbucher, Leitung Jugendtreffs und Mitglied der Geschäftsleitung

 

Und es warten neue Aufgaben…

 

Die Antwort kann nur ein klares JA sein! 52'000 Besuche im Jahr 2009 verzeichneten alleine die sieben Jugendtreffs der BFA: Das sind mehr denn je! Dies erst noch in Zeiten wachsender Ganztagsstrukturen für Kinder und Jugendliche. Und es warten neue Aufgaben auf die Jugendarbeit der Basler Freizeitaktion.

 

Lernen ausserhalb der Schule

 

Seit langem ist nämlich klar, dass die Schule unmöglich alle an sie adressierten Forderungen alleine erfüllen kann: Sie sollte dies auch nicht versuchen. Gleichzeitig wuchs die Erkenntnis, dass Lernen zu grossen Teilen ausserhalb der Institution Schule stattfindet. Die Steuerung, das Zusammenwirken und die Entwicklung der vielfältigen Angebote, die sich auf ihre jeweils spezifische Art der Förderung von Jugendlichen verpflichten, wurden bislang jedoch sträflich vernachlässigt. Nur ein Zusammenspannen aller Akteure, die mit sich mit den Anliegen der Jugend befassen, bringt die besten Perspektiven für künftige Generationen.

 

Zentrale Lerninhalte

 

Noch viel zu wenig Anerkennung findet das grosse Potential der Jugend- und Jugendkulturarbeit: Sie fördert nämlich bei weitem mehr als bloss simples Abhängen in der Freizeit! Jugendarbeit bietet ein weites Feld von Settings, in denen die erreichten Zielgruppen zentrale Lerninhalte erwerben; die Fachwelt spricht dabei von non-formaler und informeller Bildung – dies in bewusster Abgrenzung zur formalisierten Vermittlung von Wissen im schulischen Kontext. Angesprochen ist hier das freiwillige Lernen – einerseits in organisierter Form (non-formal), andererseits das Selbstlernen (informell).

 

Kreative Impulse

 

In beiden Segmenten liefert die Jugendarbeit sehr kreative Impulse in einer anregenden Umgebung. In der letzten Zeit häufen sich erfreulicherweise die Kooperationen zwischen den Schulen und unseren Einrichtungen: Jugendtreffs arrangieren Teambildungstage mit Schulklassen, führen Klassen durch - von jungen Leuten arrangierte - subkulturelle Kunstausstellungen; Treffteams vermitteln Eltern die Welt der „Social Communities“ (facebook etc.) oder sie stellen Schulen ihre Räume für gemeinsame Projekte zur Verfügung. Selbstverständlich beteiligt sich die BFA auch aktiv am zukunftsweisenden Kleinbasler Netzwerk 4057, wo schulische Angebote mit ausserschulischen besser verlinkt werden sollen.

 

Joint Venture

 

Noch geht diese Zusammenarbeit allerdings zu einseitig von der Jugendarbeit aus. Doch dies beginnt sich auszuzahlen; die Anfragen seitens der Schulen nehmen zu – positive Erfahrungswerte verdrängen die Angst vor vermeintlichem Mehraufwand. Der Dialog mit den entsprechenden Stellen unter dem Dach des gemeinsamen Auftraggebers Erziehungsdepartement hat sich ebenfalls vertieft. Wir freuen uns, dass aktuell eine weitere konkrete Kooperation vereinbart wurde: Ab dem kommenden Schuljahr wird die BFA, genauer der Jugendtreff und die Freizeithalle Dreirosen, erstmals externe Tagesstrukturen für das gegenüberliegende Schulhaus gleichen Namens anbieten. Hier entsteht neu ein längerfristiger, verbindlicher Joint Venture in der Bildungslandschaft zwischen Jugendarbeit und Schule; mit der Kinderarbeit (Robi-Spiel-Aktionen) läuft diese Zusammenarbeit bereits erfolgreich. An jedem Schultag wird die BFA für die angemeldeten OS-SchülerInnen die Zeiten von 12 bis 18 Uhr abdecken. Diese erhalten ein Mittagessen (vom hauseigenen „RhiiBistro“), werden in ihrer Freizeit betreut und bei den Hausaufgaben unterstützt – im Kern beinhaltet das Aufgaben, die zum Standard-Repertoire der Jugendarbeit zählen und somit zur BFA „passen“!

 

Vision ganzheitliche Bildung

 

Hiermit starten wir ein Projekt, welches die bewährten, auf Freiwilligkeit beruhenden Strukturen der Jugendarbeit in den Quartieren sehr gut ergänzt – und keinesfalls ersetzt. Weshalb wir auch eine separate Leistungsvereinbarung inklusive eigens dafür angestellter MitarbeiterInnen abschliessen werden. Noch erscheint eine ganzheitliche Bildung unter Einbezug aller relevanten Akteure (also auch der Jugendarbeit), inklusive einer gemeinsamen Steuerung auf Augenhöhe in Basel als Utopie, bestenfalls als Vision. In Deutschland ist dieses Modell unter dem Begriff „lokale Bildungslandschaften“ vielerorts bereits Realität.