Polizei-Razzia im Jugendtreff Dreirosen?

Waltraud Waibel, Leiterin Jugendzentrum Dreirosen

Mittwoch, 27.April 2011, 17.30 Uhr, Jugendzentrum Dreirosen - Auf der Anlage um das Gebäude tummeln sich viele Leute. Die Frühlingssonne scheint und die Stimmung ist relaxed. Die Türen des "Jugi" sind weit offen, Ping-Pong-Tisch und „Töggeli“-Kasten stehen draussen. Auf der Matte versuchen Jungs und Mädels den Ball in die Löcher einer speziell für diesen Tag aufgebauten Torwand zu schiessen. Plötzlich bewegt sich von der Klybeckstrasse her eine Gruppe von ungefähr 25 uniformierten Polizisten zielstrebig auf unser Dreirosenzentrum zu. Die Gäste des Bistros schauen sich neugierig um, der Tross in den blauen Hemden marschiert, begleitet von vielen Jugendlichen, ins Haus ein. Was ist los? Eine Razzia? Ist etwas passiert?


Ganz ungezwungen: Jugendliche treffen die Polizei
Drinnen werden die Beamten begrüsst, den Jugendlichen vorgestellt und dann wird gespielt, miteinander geredet, sich gegenseitig beschnuppert. "Warum, was soll das bedeuten, weshalb der Besuch, um was geht es hier?" werden wir von Erwachsenen und auch von „neuen“ Jugendlichen draussen gefragt.

Kein Stress, keine Vorurteile
Jugend trifft Polizei - Normalerweise ist bei solchen Alltagsbegegnungen „Stress“ vorprogrammiert. Vorurteile wirken bereits oft bevor ein erstes Wort gefallen ist. Kontrollen aller Art sind den Jugendlichen ein Greuel. Die „Kontrolleure“ sind in ihren Augen "Scheiss-Bullen", die nerven, die provozieren und die man "hasst"! Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, die auf eine Gruppe Jugendlicher zugehen, um beispielsweise die Ausweise zu kontrollieren, wirken oft unfreundlich, schroff und sind es wohl bisweilen auch. Schlechte Erfahrungen in anderen Fällen, viel Stress und teilweise auch die Unerfahrenheit junger Beamter können Gründe dafür sein. Deshalb ist es sinnvoll, wenn die neuen JungpolizistInnen zum Abschluss ihrer Ausbildung in ungezwungenem Rahmen junge Leute kennenlernen.

Hürden abbauen
Das Jugendzentrum Dreirosen ermöglicht seit Jahren - in enger Zusammenarbeit mit der Community-Police Basel - das Angebot, sich beim gemeinsamen Spielen auszutauschen und über gemachte Erfahrungen zu reden. Im lockeren Umgang mit den Männern und Frauen in Uniform lassen sich Vorurteile auf beiden Seiten relativieren oder gar auflösen. Eine der wesentlichen Aufgaben der offenen Jugendarbeit ist es, Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und Hürden abzubauen, die eine unkomplizierte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben behindern.

Horizont erweitern
Vorurteile, gleich welcher Art, sind solche Hindernisse. Sie engen den Blick ein und verhindern den unbeschwerten Umgang miteinander. Dem wollen wir entgegenwirken und den Horizont der Jugendlichen durch lebendige Erfahrungen erweitern. Solche Erfahrungen helfen auch in anderen Lebensbereichen, bauen dort ebenfalls Barrikaden ab, die einer gelingenden Integration bzw. Lebensgestaltung im Wege stehen.

Übrigens: Das Torwandschiessen gewannen diesmal die Polizisten: Macht nichts - es gibt ja ein nächstes Mal.

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