Mehr Raum für starke Mädchen


Von George Hennig, Geschäftsführung BFA

Mädona, von der BFA im Jahr 2001 eröffnet, ging als einer der ersten Mädchentreffpunkte in die Geschichte der offenen Jugendarbeit unseres Landes ein. Auch wenn diese Pionierleistung der Basler Freizeitaktion längst schweizweit Schule machte, und in den letzten Jahren wertvolle Erfahrungen gesammelt werden konnten, sieht sich Mädona heute mit vielen thematischen und existenziellen Herausforderungen konfrontiert. Um diese in Zukunft bewältigen zu können, braucht es eine realitäts- und bedürfnisnahe Vorwärtsstrategie, die von allen Verantwortlichen mitgetragen wird. Während die Raumfrage inzwischen gelöst ist, und viele konzeptionelle Ideen definiert sind, werden für die nachhaltige Finanzierung noch einige Anstrengungen nötig sein.

Hohe Erwartungen
Alles redet von Integration. Es bestehen hohe Erwartungen in Sachen Anpassungsleistungen, die von MigrantInnen erbracht werden sollen – zudem prägen diffuse Hoffnungen auf ein unbelastetes Miteinander das Bild. Im Mädona wird diese Integration gelebt. Real. Tag für Tag. Von Tanzen, Kochen, Sport, Musikhören, über Unterstützung bei Sorgen und Problemen, bis hin zum Erledigen von Hausaufgaben, ist hier vieles möglich. Dies ist, in dieser Kombination und im geschützten Rahmen, ebenso notwendig wie einmalig. Das stressfreie Klima, das trotz unterschiedlichster Kulturen unter den Mädchen entsteht, wirkt gleichzeitig integrativ und identitätsbildend. Hier können, im Ausgleich zum Geschlechter-Mix der Schule, ungestört selbstbestimmte Gestaltungs-, Erlebnis- und Entwicklungsmöglichkeiten angedacht und ausgetestet werden. Und das weibliche Selbstvertrauen wächst dabei auf differenziertere Art, als dies im Fokus flirtwilliger Jungs in der Samstags-Disco möglich ist.

Enge erschwert Begegnung
Die bescheidenen Räumlichkeiten liessen bisher längst nicht alle denkbaren Nutzungsmöglichkeiten zu. Gerade das Thema Integration ist aber untrennbar an den Faktor räumliche Beschaffenheit gekoppelt. Erwiesenermassen erschwert die Enge eines zu kleinen Treffs die „Freiwilligkeit“ als Voraussetzung für den konstruktiven Effekt jeder Art von Begegnung. Wo Rückzugsmöglichkeiten fehlen, entsteht oft Reibung, was umso schwerer wiegt, als die NutzerInnen solche Umstände oft schon von ihren familiären Wohnsituationen her kennen.

Es braucht geschlechterspezifische Angebote

Über die Notwendigkeit geschlechterspezifischer Angebote in der offenen Jugendarbeit herrscht in der Fachwelt grosse Einigkeit. Die Rückmeldungen von Nutzerinnen, Eltern, Schulen auf Mädona fallen durchwegs positiv aus. Allerdings litt der bisherige Betrieb - je länger, desto mehr - unter den wenig idealen räumlichen Bedingungen. Um die sich abzeichnenden Aufgaben professionell wahrnehmen zu können, war eine räumliche Ausdehnung unumgänglich.

Weiterführende inhaltliche Optionen
Im neuen Domizil werden die Stärken des Mädona-Modells noch besser zum Tragen kommen. Weiterführende inhaltliche Optionen sind angedacht: Zusammen mit den Nutzerinnen werden sie entwickelt und umgesetzt. Mittelfristig braucht es von Seiten des Kantons ein klares Bekenntnis, welches (ergänzt durch Beiträge von Dritten) belegt, dass die Stadt Basel Mädchenarbeit als multiple Chance begreift. Was hier investiert wird, zahlt sich in gestärkten, jungen Mitbürgerinnen aus, die keine Mühe damit haben, ihren Platz in unserer Stadtgesellschaft zu finden.